Für unsere Generation gibt es viele Namen. Generation Beziehungsunfähig. Generation Tinder.  Generation Unersättlich. Generation Ego. Mein Lieblingsname für uns: Generation Maybe.

Generation Vielleicht. Generation: Sicher, wahrscheinlich! Ich glaub schon, ich weiß nicht…

Wir sind die Generation, bei der die Scheidungsrate in 20 Jahren bei 100% liegt. Oder eben bei 0%, weil keiner mehr heiratet.

Wir sind die Generation, die nicht mehr über Gefühle spricht, weil wir vorgeben keine zu haben.


Wir sind die Generation Freundschaft Plus, denn wir wollen uns zwar nicht binden, aber können auch nicht alleine sein. Wir wollen jemanden für Dates, jemand der uns Komplimente macht und mit uns flirtet. Jemanden mit dem wir ins Bett gehen und den wir mögen. Aber auch nicht zu sehr, denn Gefühle sind gefährlich. Wenn wir uns binden, könnten wir ja jemand anderen verpassen.

Wir sind Generation Unabhängig und Frei – oder sollte ich besser sagen Allein?

Wir sind Generation lieber nicht lieben, lieber nichts fühlen. Denn Gefühle machen uns angreifbar und verletzlich. Stell dir mal vor, man kann irgendwann nicht mehr ohne den anderen und braucht einander. Aber das können wir nicht zulassen, denn wir sind ja frei und unabhängig. Und stell dir mal vor, wir müssten uns öffnen und plötzlich kennt uns jemand besser als wir uns selbst. Dieser jemand könnte unsere verdrängten Gefühle sehen, denn wir können ihm nichts mehr vormachen. Aber das können wir nicht zulassen, denn wir sind ja emotionslos und stark.

Außerdem ist der Schlüssel zu unseren Gefühlen auch der Freifahrtschein um uns zu verletzten – und davor haben wir Angst. Also lieber nicht lieben, als verletzt zu werden.

Wir sind Genration lieber nichts riskieren, weil zu viel auf dem Spiel steht. Wer niemanden hat, kann auch niemanden verlieren. Aber wer niemanden hat, hat eben auch niemanden.


Wir sind Generation „Ich verarsch mich selber“, denn wir spielen uns was vor.

Wenn man uns fragt was wir wollen ist die Antwort klar:

Ich will Sex. Ich will begehrt sein, Spaß haben, mich ausleben. Ich will frei sein und unabhängig.

Doch wenn wir mal einen Moment auf unser Herz anstatt unseren Kopf hören, merken wir vielleicht, dass es nicht der Typ ist, aus dessen Wohnung wir uns nach einer durchzechten Partynacht schleichen, der uns glücklich macht. Dass ein Kompliment für schöne Brüste etwas Anderes sind, als ein Kompliment für die Art wie du Lachst, deinen Humor oder deine Intelligenz. Aber übel nehmen, können wir es dem anderen auch nicht. Woher soll er diese Dinge über uns auch wissen? Über Smalltalk geht es doch selten hinaus, dafür sind wir alle zu beschäftigt mit uns selber. Und sowieso, ist das ja für Sex auch nicht so wichtig.

Und in stillen Momenten, wenn unser Herz dann doch mal zu Wort kommt, merken wir, wie einsam wir sind. Denn egal mit wie vielen Menschen wir uns umgeben, wie oft wir ausgehen, auf Dates oder zum Feiern: Wenn es drauf ankommt sind wir alleine.

Es gibt niemanden, der sich Abend für Abend unsere sinnlosen Probleme oder die überflüssigen Details unseres Tages anhört. Es gibt niemanden, der dich so umarmt, als wollte er dich nie wieder gehen lassen und niemanden der dir in die Augen schaut und dir das Gefühl gibt, jemand ganz besonderes zu sein. Jemand der es Wert ist geliebt zu werden. Wir wollen jemanden, der uns so richtig aus den Socken haut. Jemand der uns auf Wolke 7 schießt, denn mit Wolke 4 sollten wir uns nicht zufriedengeben.


Wir sind Generation „Ich will was ich nicht haben kann.“ Ein Phänomen, dass besonders stark auftritt, wenn uns jemand nicht nur nicht will, sondern uns auch noch wie Dreck behandelt. Aber warum jemanden nehmen, der sich wirklich für uns interessiert? Nett zu sein ist doch unattraktiv und langweilig. Wo bleibt denn da der Nervenkitzel?

Wir sind Generation Unersättlich.

Wir streben immer danach besser zu sein oder besser zu werden. Vor allen Dingen besser als andere. Dazu gehört auch was Besseres zu haben. Also nehmen wir jemanden entweder gar nicht, wenn Aussicht auf was Besseres besteht, halten ihn warm oder werfen ihn weg, wenn der Zeitpunkt gekommen ist. Der Grund dafür ist der Zweifel an uns selber. Viele zu haben, oder viele haben zu können, gibt uns die Bestätigung die wir brauchen um uns besser zu fühlen. Um uns das Gefühl zu geben etwas wert zu sein. Natürlich würde der eine richtige Mensch dafür schon reichen, aber um jemand anderen zu lieben, müssen wir das bekanntlich erst mal selber tun. Lasst uns mal versuchen aus diesem Profilierungswahn und aus dieser Selbstinzinierung heraus zu kommen.

Lasst uns mal an uns selber glauben.


Photo by Lina Tesch.

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