Es sind bereits 1,5 Jahre vergangen, seit dem ich mein letztes Fitness-Spiegel-Selfie gepostet habe. Auf der einen Seite kommt es mir vor als wäre das letzte Woche gewesen. Auf der anderen Seite, wie im letzten Leben.

Weil in der letzten Zeit immer wieder Fragen aufgekommen sind, wie z.B. ob ich mit dem Sport aufgehört habe, warum ich zugenommen habe oder ob ich meine Form von früher nicht vermisse, dachte ich, ich schreibe dazu mal einen kleinen Beitrag.

Vor zwei Jahren fing bei mir auf Instagram alles an. Es gab es auf meinem Account ein klares Thema: Fitness. Bei mir drehte sich alles um gesunde Ernährung, Supplements und wie ich meine „Abs“ am besten in Szene setzen kann. Was ist passiert? Warum hat sich das auf einmal so plötzlich geändert?

„Warum folgen dir die Leute auf Instagram“?

Die letzten anderthalb Jahren, waren verrückt. Die Zeit ist gerast, weil so viel passiert ist und sich so viel verändert hat. Das einzige was irgendwie auf der Strecke geblieben ist, scheint mein Instagram Account zu sein. Vor ein paar Wochen fragte mich im Gespräch jemand:

„Warum folgen dir die Leute auf Instagram“?

„Weißt du“, sagte ich. „Früher war ich mal ein Fitnessaccount. Ich hatte schöne Bilder, einen stimmigen Feed und ich glaube Leute haben mir gefolgt, weil ich sie motiviert hab. Ich glaub früher war ich mal ein Vorbild.“

Irgendwie ging mir das Gespräch nicht mehr aus dem Kopf und abends startete ich im Bett eine kleine Selbstanalyse. Als ein Mensch, der sich eigentlich eher zu wenig als zu viele Gedanken macht, fing ich zum ersten Mal in meinem Leben damit an, mich ernsthaft mit meiner Instagram Karriere auseinander zu setzen. Und es stimmte. Was früher ein rosa-happy-goodlife Feed war, ist mit der Zeit zu einer tristen und langweiligen Ansammlung aus Bildern geworden. Da haben selbst Vegan-Glutunfreie Kekse mehr Aussage.

Mir wurde eins klar: Ich würde mir selber nicht folgen.

Warum ich keine Skinny Bitch mehr sein will

Der Sommer war irgendwann vorbei und meine gute Zeit hatte sich – oh Wunder – ganz schön an meinem Körper bemerkbar gemacht. Und ich bin ehrlich: als ich die Zahl auf der Waage und das Bild im Spiegel nicht mehr ausblenden konnte, führte das zu einigen Mental Breakdowns. Bilder von meinem Thailand-Urlaub 2015 bereiteten mir Liebeskummer und Frust darüber, wie ich mich so gehen lassen konnte.

Schwermütig schaute ich durch meine alten Fotos, mit Sixpack und fast zehn Kilo weniger auf den Rippen. Ich kramte meine alten Shorts in Size Zero heraus und wunderte mich wie ich jemals in diese Hose reinpassen konnte. Heute würde da gerade mal eins meiner Beine reinpassen.

Für einen Moment wünschte ich mir die guten alten Zeiten wieder zurück. Jedoch hielt dieser Moment nur so lange an, bis mir plötzlich wieder einfiel, was mich diese Figur damals gekostet hatte. Nämlich mein ganzes Soziales Leben, meine Freizeit und meine Leidenschaft für essen. Neben einem übermotivierten Bodybuilder Freund, Mahlzeiten die durch Eiweißshakes ersetzt wurden und einem „Nein-Danke“ zu Alkohol, gibt es noch eine ganz Reihe von anderen Dingen die ich wirklich nicht vermisse.

Dennoch wollte ich mich natürlich wieder ein bisschen wohler fühlen in meinem Körper.

Als das neue Semester startete, kam alles wie von alleine. Es war, als wäre plötzlich ein Urlaub vorbei, der ein Jahr angedauert hatte. Ehe ich mich versah war ich zurück in einem Alltag, den ich so seit meiner Schulzeit nicht mehr gehabt hatte. Morgens Sport, nachmittags arbeiten oder Uni und am Wochenende Freunde. Ich hatte erwartet, dass es mich deprimieren würde. Stattdessen habe ich bemerkt, wie sehr ich den täglichen Sport vermisst habe, wie schön es ist eine Aufgabe zu haben, Fortschritte zu sehen und wieder ein ganz anderes Körpergefühl zu haben. Und natürlich tausend Mal billiger ist, nach der Uni selbst zu kochen und es dir irgendwann sogar schmeckt haha.

Das wichtigste ist allerdings die positive Veränderung meiner eigenen Körperwahrnehmung. In meinen Skinny Bitch Zeiten, war ich nie zufrieden mit meinem Körper. Ich war immer der Meinung, es ginge noch definierter und noch ein bisschen schlanker und no matter what, ich fand immer ein paar Mängel. Jetzt ist das anders. Ich stehe das erste Mal vor dem Spiegel und mir gefällt was ich sehe. Klar, nerven mich manche Sachen, wie mein Hüftspeck – aber mal ehrlich, wer kennt diese Problemzonen-Problematik nicht? Aber alles in allem gefällt mir was ich sehe. Und ob ich es vermisse ne Skinny Bitch zu sein? Nein, ich bin kein Girly mehr. Ich bin eine Frau. Und es ist super schön sich auch so zu fühlen.

Und jetzt?

Ich würde sagen, ich habe meinen roten Faden wiedergefunden. Ich bin viel zu lange rumgeeiert. Ich möchte, dass es wieder einen Grund gibt um mir zu folgen. Ich bin keine Fashionista und auch kein It-Girl. Ich liebe Sport, Essen und Reisen. Und da man die Dinge tun soll, die man liebt, wird das jetzt wieder der Leitfaden meines Accounts und der Inhalt meiner Bilder. Ne Skinny-Bitch werde ich wohl nie wieder und auch ne Diät kommt mir nicht mehr ins Haus. Allerdings möchte ich wieder eine Bloggerin werden, der es sich zu folgen lohnt. Ich freue mich darauf, mich wieder voll und ganz im Themenfeld Sport zu entfalten, fühle mich fit und glücklich und hoffe euch in Zukunft wieder motivieren zu können.

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